Die Bürde, etwas Neues zu beginnen.
Seien wir ehrlich. Die letzten Tage ging es bei uns sehr viel darum, wie man in der Welt einen Platz findet – in der Immobilienbranche, aber auch generell als Unternehmen und persönlich. Mir war und ist es immer wichtig, Mehrwert zu haben. Alles, was wir tun, soll gerne über uns hinaus wachsen. Numero Veinte ist speziell dafür da, hinzuschauen, was nicht so ganz richtig läuft. Es schaut hin, welche Systeme veraltet sind und was man verbessern kann. Was ist aber auch gut, und wo kann man anknüpfen? Numero Veinte ist aber auch da, um Kunst zu sein, um schön zu sein, um zu geben und zu verbessern.
Außerdem ging es die letzten Tage auch darum, wie es ist, „neu" zu sein. Wie es ist, am Anfang zu stehen, und was das für das Unternehmen, aber auch für die Belastung derjenigen bedeutet, die gründen. Die Wahrheit ist, dass neue Dinge oft unterstützt und bejaht werden. Klar gibt es Kritiker, die wird es immer geben, und die braucht es auch. Sonst hätten wir nichts, an dem wir uns spiegeln oder auch reiben könnten. Wir brauchen das „Andere", um besser zu werden und um selbst zu wachsen. Jedoch ist es erst einmal egal, was du für eine Idee hast. Es ist unwichtig, wie kreativ du bist und was du verändern willst, und ich bin da nicht anders. Ich liebe es, Ideen zu entwickeln und voranzutreiben, sie wachsen zu sehen, bzw. auch manchmal scheitern zu sehen. Aber eine Idee und alles, was daran hängt, bringt nur etwas, wenn sie fruchtet.
Denn was bringt uns das Konzept, wenn wir nicht dazu kommen, es umzusetzen und in die Welt zu setzen. Ein Unternehmen zu gründen hat immer etwas mit dir selbst zu tun. Manchmal ist es so, als würdest du ein Kind großziehen. Die Geburt der Idee ist schon schwierig genug. Dann kommt das Wachsen. Es fordert viel von dir, lässt dich wachsen und verzweifeln. Es lässt dich nicht schlafen, kann aber das Schönste sein, was du je erlebt hast. Aber … immer diese „Abers" …
Nur wenn es funktioniert. Wenn du es liebst. Wenn du die negativen Dinge ertragen kannst, oder es sogar schaffst, sie umzuwandeln. Worauf ich aber hinaus möchte … Was neu ist, wird beobachtet. Es wird „beäugt". Es wird gewartet und insgeheim auch belächelt, nach dem Motto: „Hast du die gesehen, die machen jetzt xyz" – vor allem für uns im Dienstleistungsbereich. Wir haben keine Reputation, vor allem nicht bei Menschen, die uns nicht kennen. Wir können nur mit uns und unserem Konzept überzeugen. Es braucht geschenktes Vertrauen, damit wir überhaupt erst anfangen können. Nichts (was okay ist) wird uns geschenkt. Es gibt kein System, in das wir uns einkaufen. Nichts, wo wir „weitermachen …". Wir starten von null. Klar kennen uns manche. Klar haben wir eine menschliche Reputation und bringen viele Erfahrungen mit ins Unternehmen, dennoch sind wir neu. Neu für Eigentümer, neu für andere Agenturen, neu für die Nachbarschaft (naja, geht so …). Und das ist die Bürde, von der ich spreche. Du musst viel vorleisten, viel erarbeiten und beweisen, denn wir Menschen sind von Natur aus skeptisch. Sogar Kinder.
Einem Fremden ist dein Mut egal. Ihm ist wichtig, ob du lieferst
(richtiger Business-spruch)
Und dann bittest du ihn als Unternehmen und Person, dir sein Geld, seine Zeit und sein Heim anzuvertrauen – basierend auf nichts anderem als deinem Wort und dir selbst. Keine Erfolgsbilanz. Kein langjähriges Portfolio. Kein „Das haben wir schon tausend Mal gemacht." Nur du, ein Verkaufsgespräch, das Kennenlernen und die stillen Zweifel und Sorgen. Dein Konkurrent um die Ecke macht das unterdessen schon seit acht Jahren. Er hat die Bewertungen. Die Weiterempfehlungen. Den Ruf „Ach ja, die nutzt doch jeder", den er sich über ein Jahrzehnt hinweg aufgebaut hat und dessen Erwähnung nichts kostet. Der Kunde muss bei ihm kein Risiko eingehen. Er weiß bereits, was er bekommt. Du bist das Risiko.
Hier ist die harte Wahrheit: Es ist nicht unfair, auch wenn es sich unfair anfühlt. Der Kunde hat recht, wenn er zögert. Die Welt hat recht, wenn sie die sicherere Wahl bevorzugt. An ihrer Stelle würdest du dasselbe tun (oder nicht?). Niemand gibt sein Geld dem Neuling im Raum, ohne einen Grund zu haben, ihm zu vertrauen. Vertrauen ist nichts, worauf du Anspruch hast, nur weil du endlich den Mut hattest, anzufangen. Das musst du ihnen immer wieder beweisen, bevor es zur Selbstverständlichkeit wird. Du wirst also Aufträge an Leute verlieren, die „schlechter" sind als du, einfach nur, weil sie schon länger im Geschäft sind. Du wirst mit Konkurrenten verglichen, die Abstriche machen, die du niemals machen würdest, und trotzdem den Auftrag gewinnen, weil Vertrautheit kurzfristig wichtiger ist als Qualität. Du wirst zusehen, wie sich jemand für die „sichere" Option entscheidet, und für einen Moment spüren, wie ein Teil von dir kleiner wird. Und das gehört dazu.
Du musst das alles lieben lernen. Und nein, du musst nicht alles am Unternehmertum lieben. Du darfst auch mal meckern und schreien (haben wir gemacht). Du darfst auch denken: Wieso ist das so ungerecht? Der Weg ist das Ziel. Ich weiß, den Spruch hat jetzt keiner erwartet, aber es gibt diesen Spruch aus gutem Grund.
Denn was ist, wenn dir alles geschenkt wird?
Wenn du sofort alles bekommst und alles perfekt läuft?
Denn hier ist die andere Wahrheit, auf die es ankommt: Wir brauchen Aufgaben und Probleme. Die Menschheit stünde nicht da, wo sie jetzt ist, wenn es nicht schlecht laufen würde (nicht unbedingt gut, wo die Welt jetzt steht). Startest du neu, dann gibt es dafür einen Grund. Wieso machst du das alles? Ich erwische mich oft dabei, zu fragen: Ist es überhaupt das Richtige für uns? Was kann man denn noch machen?
Das passiert öfter, als man denkt.
Ich versuche immer wieder darauf zu achten, wieso wir das alles tun. Ja, auch für uns. Auch für unsere Tochter und unsere Familie. Aber auch für euch: die Kunden, die Mitarbeiter, die Stadt. Wäre die Branche perfekt und der Umgang miteinander in der Gesellschaft, dann gäbe es keinen Grund für Neuschaffungen. Es gäbe keinen Grund für Wahlen. Keinen Grund für Krieg und Konflikt. Wir brauchen Probleme und Menschen die uns darauf hinweisen. Auch wenn es „gut“ läuft und als „Erfolgreich“ tituliert wird.
Reminder to myself: Jeder Kunde, der dir eine Chance gibt und etwas Großartiges erhält, ist ein Baustein in einer Mauer, die dein Konkurrent ein Jahrzehnt lang errichtet hat. Du hast gerade erst angefangen, deine eigene Mauer, dein eigenes Schloss, zu errichten. Es muss dir heute nicht jeder vertrauen. Du brauchst eine Person, die dir genug vertraut, um es herauszufinden. Dann noch eine. Aber was du als Gründer vor allem brauchst, bist du selbst.
Was ist DEIN Grund für das alles?
Verlier das nie aus den Augen.